Gemeindegruß März 2021

der Ev. – reformierten Kirchengemeinde
Lütetsburg – Norden


Liebe Mitglieder und Freunde der Gemeinde

Im Blick behalten
„Einen Augenblick bitte! Haben Sie einen Moment Zeit?“ Ich hebe meine Augen auf.
Es folgt: Ein Augenblick! Das Auge für einen kurzen Moment auf etwas richten. Eine kurze Zeitspanne, in der wir etwas erblicken, entdecken ober bestaunen.
Ein Augenblick. Das Wort erfährt in dieser Zeit eine neue Bedeutung. Denn in Zeiten von Corona wird ein Augenblick manchmal zum langen Blick in die Augen des Mitmenschen. Der Augen-Blick hat mit dem Tragen der Maske eine neue Gewichtung erhalten. Oftmals sehen wir von unseren Mitmenschen wirklich „nur“ einen Augenblick.

Wenn die Augen nur das sind, was wir noch sehen vom Gesicht, dann lesen wir die Mimik des Gegenübers in den Augen. Das ist spannend, das ist auch herausfordernd. Mir ist es schon passiert, dass ich jemanden erst auf den zweiten Blick erkannt habe. Augenblicke dürfen so auch mal länger dauern.
Schließen Sie einmal für einen Moment Ihre Augen. Was erleben Sie? Ich höre viel deutlicher jedes Geräusch um mich, die Autos auf der Straße, die vor dem Fenster vorbeifahren, das Rauschen des Ventilators in meinem Computer, die Tür, die im Haus bewegt wird, das Vogelgezwitscher. Ich schnuppere mit einem Male, nehme den Geruch um mich herum wahr. Ja: Unsere Sinne richten sich gerade neu ein.

Spannend. Aber auch erhellend, wie wichtig das Licht ist, das durch die Augen in uns fällt, und die Farben, die unser Leben bunt machen. Ich ahne, wie schwer es Menschen fällt, nichts dagegen tun zu können, dass ihr Augenlicht nachlässt.

Mit Masken im Gesicht erhalten die Augen eine größere Bedeutung. Ich persönlich kann trotzdem nicht sagen, welche Farbe die Augen des Gegenübers haben. Ich kann aber sagen, ob ein Lächeln die Augenwinkel umspielt oder ob Tränen rollen. Ich kann die Leere im Augen-Blick des Gegenübers erkennen oder das Glänzen der Augen. Ja, ich glaube, ich schaue Menschen mit anderen Augen an.

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“ Und dann schaut Gott mich an, und im Augenblick versteht er, was ich brauche. Und ich spüre in meiner Seele, in die Gottes Auge blickt, wie ich sagen kann: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat. Er wird meinen Fuß nicht gleiten lassen, und der mich behütet, der schläft nicht.“ (Psalm 121, Verse 1+2) Was für ein Trost, was für eine Gelassenheit, was für ein Glaube erfüllt mich. In dem Augenblick der Gewissheit, dass Gott mich ansieht.

Und wenn es in der Bibel von Gott heißt: „Ich habe dich nur für einen Augenblick verlassen“, dann meint das einen Moment, eine Zeitspanne. Wenn ich aber erleben darf, dass ich mit meinen Augen den Trost Gottes verspüren darf, wenn ich meine Augen dafür offen halte, dann öffnen mir meine Augen den Blick für die Großartigkeit Gottes, für seine Schöpfung, für seine Hingabe, für seine Liebe, die er mir und Ihnen schenkt.

Doch, ich möchte das ganze Gesicht der Menschen wieder sehen, die fröhlich nach oben gezogenen Mundwinkel, das Rümpfen der Nase, und wenn die Haare wieder kürzer sind, auch das Runzeln der Stirn.

Aber jetzt erst mal gilt: Genießen Sie jeden Augenblick, jeden Augenkontakt. Ich wünsche Ihnen unvergessliche, erhebende Augenblicke – und dass Sie entdecken, dass Gott nicht weg-, sondern Sie gnädig und barmherzig anschaut und im Blick behält.

Ihr Pastor Detlef Sprick


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